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Golfgeschichte - Golf im 15. und 16. Jahrhundert

TL;DR / Zusammenfassung

1457 verbot König James II den Schotten Golf — Bogenschießen sei wichtiger für die Wehrhaftigkeit des Landes. Doch schon im frühen 16. Jahrhundert belegen Hofrechnungen golfende Könige, und mit dem St.-Andrews-„Golfer's Charter" von 1553 wird das Spiel offiziell geduldet. Ein Streifzug durch das 15. und 16. Jahrhundert — mit klaren Eckdaten.

Golfähnliche Szene aus dem Golf Book of Hours, um 1540
Golfähnliche Szene aus dem „Golf Book of Hours", zugeschrieben Simon Bening, um 1540 (British Library, MS 24098) — eine der frühesten bildlichen Darstellungen des Spiels. (Gemeinfrei/CC0, via Wikimedia Commons)

Die frühe Golfgeschichte ist im 15. und 16. Jahrhundert eng mit Schottland verbunden — und sie ist vor allem deshalb überliefert, weil Parlament und Königshof penibel Buch führten. Nicht der Buchdruck, sondern die schriftliche Verwaltungskultur (Parlamentsakten, Hofrechnungen) hat uns die ersten Spuren des Spiels bewahrt.

Das erste Golfverbot: 1457

Die früheste bekannte schriftliche Erwähnung von Golf in Schottland ist ausgerechnet ein Verbot: Ein Parlamentsakt von 1457 unter König James II untersagte Golf und Football. Der Grund war militärisch, nicht moralisch — die Untertanen sollten stattdessen Bogenschießen üben, um die Wehrhaftigkeit des Landes zu sichern. Auch seine Nachfolger James III und James IV hielten zunächst an diesem Verbot fest.

Vom Verbot zum Königssport: James IV

Mit dem Friedensvertrag zwischen England und Schottland von 1502 verlor die Pflicht zu militärischen Übungen an Bedeutung — und damit auch das Golfverbot an Druck. Pikant: Aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts belegen Hofrechnungen unter James IV den Kauf von Golfschlägern und -bällen (bekannt ist ein Eintrag über Schläger aus Perth). Der König selbst war also offenbar ein aktiver Spieler — aus dem verbotenen Zeitvertreib wurde königliches Vergnügen.

St. Andrews: 1552 und der „Golfer's Charter" von 1553

Für St. Andrews, die spätere Wiege des Golfsports, werden die Quellen Mitte des 16. Jahrhunderts deutlich: 1552 findet sich der erste schriftliche Nachweis, dass dort Golf gespielt wurde. 1553 gewährte der Erzbischof der Bevölkerung ausdrücklich das Recht, auf den Links Golf zu spielen — der sogenannte „Golfer's Charter". Damit wandelte sich Golf binnen eines Jahrhunderts vom kritisierten Zeitvertreib zum sozial anerkannten Spiel mit königlicher und kirchlicher Duldung.

Mary Queen of Scots und der Sprung auf den Kontinent

Eine zentrale Figur für die Popularisierung war Maria Stuart (Mary Queen of Scots). Belegt ist, dass sie sowohl in Schottland als auch in Frankreich Golf spielte; über den Hof gewann das Spiel eine neue kulturelle Ausstrahlung und gelangte so auch auf den Kontinent. Viele populäre Anekdoten rund um ihre Person sind später ausgeschmückt worden — der historische Kern ist schlicht ihre Rolle als prominente, golfbegeisterte Monarchin.

Einordnung

Die frühe Golfgeschichte ist damit weniger Freizeit- als Herrschaftsgeschichte: Sie ist eng mit Königshaus, Militär und Verwaltung verknüpft. Dass wir überhaupt von verbotenem, gekauftem und schließlich erlaubtem Golf wissen, verdanken wir den nüchternen Akten von Parlament, Hof und Kirche.

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