Golfgeschichte - Golf im 17. und 18. Jahrhundert
TL;DR / Zusammenfassung
Im 17. und 18. Jahrhundert wird aus dem schottischen Zeitvertreib ein organisierter Sport. 1603 ernennt König James VI. mit William Mayne den ersten Royal Clubmaker; gespielt wird mit dem teuren, federgestopften Featherie-Ball. König Charles I. golft 1641 in Leith, als ihn die Nachricht der Irischen Rebellion erreicht. Auf dem Kontinent existieren mit dem niederländischen colf und dem französischen jeu de mail verwandte Spiele – das colf reist sogar bis ins damals niederländische Beverwyck (Albany). 1682 messen sich in Leith Engländer und Schotten im ersten „Länderspiel"; 1744 schreibt John Rattray die ersten 13 Regeln nieder, 1754 entsteht die spätere Heimat des Spiels in St. Andrews, 1764 werden dort die 18 Löcher zum Standard, und 1766 wird mit Royal Blackheath der erste Club außerhalb Schottlands gegründet.
Der erste Profi: William Mayne, Royal Clubmaker (1603)
Der Schotte William Mayne lässt sich über eine Urkunde von 1603 als erster professioneller Golfausrüster nachweisen. Seine Schläger spielte König James VI., der ihm dafür den Prestigetitel Royal Clubmaker verlieh – der erste kommerzielle Schlägerbau der Golfgeschichte.
1603 ist auch politisch ein Schlüsseljahr: James VI. von Schottland wurde zugleich James I. von England und brachte das Spiel an den englischen Hof. Überliefert ist, dass sein Sohn, Prinz Henry Frederick, bereits 1606 Golf spielte.
Der Featherie: 250 Jahre teurer Hightech-Ball
Gespielt wurde in dieser Zeit mit dem Featherie – einem Lederball, der mit nassen, gekochten Gänse- oder Hühnerfedern prall gestopft wurde. Beim Trocknen dehnten sich die Federn aus, das Leder schrumpfte: Das Ergebnis war ein steinharter Ball.
- Herstellung: mehrere Lederstücke vernäht, mit Federn gefüllt, rundgehämmert.
- Aufwand: ein erfahrener Handwerker schaffte nur rund vier Bälle am Tag – entsprechend teuer.
- Flug: erstaunlich weit; überliefert ist ein Schlag von 361 Yards (festgehalten 1836 in St. Andrews).
- Ära: etwa 1600 bis 1850 – erst der günstige, robuste Guttapercha-Ball („Guttie", ab 1848) verdrängte den Featherie und machte Golf bezahlbarer.
Ein König am Abschlag: Charles I. (1641)
Wie sehr Golf den Hof erreicht hatte, zeigt eine berühmte Anekdote: König Charles I. soll 1641 gerade auf den Links von Leith gespielt haben, als ihn die Nachricht vom Ausbruch der Irischen Rebellion erreichte. Ob er die Runde abbrach oder zu Ende spielte, variiert je nach Erzählung – der historische Kern aber ist, dass Golf längst Königssache war.
colf, kolf und jeu de mail: die kontinentalen Verwandten
Golf ist nicht im luftleeren Raum entstanden. In den Niederlanden war über Jahrhunderte das Spiel colf (später kolf) verbreitet – auf zugefrorenen Kanälen ebenso wie in den Gassen der Städte. Wie eng es mit dem schottischen Golf verwandt ist, ist bis heute umstritten; sicher ist, dass beide Länder rege Handel trieben und Bälle aus den Niederlanden importiert wurden. Das Wort „Golf" wird häufig auf das niederländische „colf/kolf" zurückgeführt. In Frankreich wiederum war das jeu de mail verbreitet. Solche kontinentalen Spiele machen die Ursprungsfrage spannend – die durchgehende, dokumentierte Linie zum heutigen Golf führt aber über Schottland.
Über den Atlantik: vom colf-Verbot zum ersten US-Club
Wie weit die Niederländer ihr Spiel trugen, zeigt ein Blick über den Atlantik: In der damals niederländischen Siedlung Beverwyck (dem heutigen Albany im US-Bundesstaat New York) verbot eine Verordnung von 1659 das Spielen von colf in den Straßen – wegen Sachschäden und Verletzungsgefahr. Es war also der niederländische Ableger, der zuerst in die Neue Welt kam, lange vor der Gründung der USA.
Der erste dokumentierte Golfclub Amerikas entstand dann 1786 in Charleston (South Carolina) – der South Carolina Golf Club. Wer das Spiel aus dem britischen Mutterland in die Kolonien gebracht hat, bleibt allerdings unbekannt.
Leith 1682: das erste „Länderspiel"
1682 trugen in Leith zwei englische und zwei schottische Golfer einen frühen Länderwettkampf aus. Überliefert ist, dass der Herzog von York – der spätere James II./VII. – gemeinsam mit dem Schuhmacher John Paterson gegen zwei englische Adelige antrat und gewann. Paterson soll vom Preisgeld in Edinburgh ein Haus gebaut haben. Leith wurde damit zu einem frühen Mittelpunkt des Golfsports.
1744: die ersten 13 Regeln
Aus dem geselligen Spiel wurde Organisation. 1744 schlossen sich die Gentlemen Golfers of Leith (die spätere Honourable Company of Edinburgh Golfers) zusammen. Ihr erster Kapitän, John Rattray, brachte die ersten Golfregeln zu Papier: die „Articles and Laws in Playing of Golf" – 13 Regeln, unterzeichnet im März 1744. Anlass war ein Wettspiel um einen vom Stadtrat von Edinburgh gestifteten silbernen Schläger, ausgetragen im April 1744 mit elf Teilnehmern. Sieger: Rattray selbst. Viele dieser Grundsätze finden sich bis heute im Regelwerk wieder.
St. Andrews, die 18 Löcher (1764) und der erste Club in England (1766)
1754 entstand die Society of St Andrews Golfers, aus der später der weltweit tonangebende Royal and Ancient Golf Club of St Andrews wurde. Wenige Jahre darauf fiel dort eine fast beiläufige Entscheidung mit Weltwirkung: Der Old Course hatte ursprünglich 22 Löcher, von denen die ersten und letzten zu kurz geraten waren. 1764 legte man sie paarweise zusammen – übrig blieben 18 Löcher. Was als praktische Anpassung gedacht war, wurde zum weltweiten Standard.
1766 schließlich wurde mit dem Royal Blackheath Golf Club nahe London der erste Golfclub außerhalb Schottlands gegründet. Seine Wurzeln reichen der Überlieferung nach bis 1608 zurück; urkundlich fassbar ist das Jahr 1766.
