Al Wilson: Golfspiel auf einem fliegenden Doppeldecker – Wahnsinn oder Meisterleistung?
TL;DR / Zusammenfassung
In den späten 1920er- bis frühen 1930er-Jahren schlug der US-Stuntpilot Al Wilson einen Golfball vom Oberflügel eines fliegenden Doppeldeckers — festgehalten als „Daredevil Al Wilson Golfing on Biplane". Kein Mythos, sondern ein dokumentierter Stunt aus der Barnstorming-Ära, in der riskante Flugvorführungen ganze Menschenmengen anzogen.
Golf gilt als traditionsreicher, ruhiger Sport. Der US-amerikanische Stuntpilot Al Wilson stellte das in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren auf den Kopf: Er spielte Golf – auf einem fliegenden Doppeldecker. Die Aktion sorgte für Schlagzeilen und gilt bis heute als eine der verrücktesten Szenen der Golfgeschichte.
Wer war Al Wilson?
Wilson war einer der bekanntesten Stuntpiloten der frühen Luftfahrt – in historischen Quellen wird er sogar als „Dean of the aerial stuntmen" beschrieben, also als eine Art Doyen der Flugstuntleute. Er flog spektakuläre Manöver für Airshows und Hollywood-Filme, häufig ohne doppelten Boden. Der Golf-Stunt war eine seiner Nummern – eine, mit der er Sport, Luftfahrt und Showeffekt in ein einziges Bild packte.
Die Szene: Golf über den Wolken
Während der Doppeldecker (Biplane) in stabiler Geschwindigkeit flog, stand Wilson auf dem oberen Tragflügel, Golfschläger in der Hand, und schlug tatsächlich einen Ball in den Himmel hinaus. In Bild- und Archivquellen läuft dieselbe Szene unter dem Titel „Daredevil Al Wilson Golfing on Biplane"; eine zeitgenössische Bildunterschrift feiert ihn als „first aerial golfer – the first man to actually drive a golf ball" aus einem Flugzeug. Die genaue Datierung schwankt je nach Quelle zwischen späten 1920ern und frühen 1930ern.
Die Barnstorming-Ära: der Kontext
Wilson war kein Einzelfall, sondern Teil einer ganzen Generation von Flugkünstlern. Nach dem Ersten Weltkrieg tourten Piloten mit überzähligen Militärmaschinen über die USA und verkauften Nervenkitzel – das sogenannte Barnstorming. Zum Repertoire gehörten:
- Wing-Walking – auf den Tragflächen laufen, Handstände, im Flug die Position wechseln
- Flugzeugwechsel in der Luft – von Maschine zu Maschine oder zwischen Flugzeug und fahrendem Auto
- Fallschirmsprünge als fester, bewusst riskanter Show-Bestandteil
- Rekord-Loopings und Rollen – in den 1930ern teils hunderte hintereinander
- Rückenflug (Inverted Flight) als Publikumsmagnet
Berühmte Namen dieser Ära waren unter anderem Ormer Locklear, Clyde Pangborn, Georgia „Tiny" Broadwick, Jimmy Doolittle, Roscoe Turner, Paul Mantz, Bessie Coleman und ein junger Charles Lindbergh in seinen Barnstorming-Jahren – dazu Stunt-Teams wie die „13 Black Cats". Vor diesem Hintergrund ist der Golf-Stunt weniger eine sportliche Rekordleistung als ein typisches, perfekt inszeniertes Spektakel seiner Zeit.
Wie glaubwürdig ist die Geschichte?
Sehr wahrscheinlich echt: Die Szene ist über frühe Foto- und Filmdokumente direkt mit Al Wilson verknüpft. Viele populäre Nacherzählungen sind allerdings eher erzählerisch als wissenschaftlich – Details wurden über die Jahrzehnte ausgeschmückt. Die ehrlichste Einordnung lautet daher: kein Fake, sondern ein historisch belegter Stunt, der später in unterschiedlichen Versionen weitergegeben wurde.
Warum tat er das?
Wilson war ein Meister der Selbstdarstellung. In der Barnstorming-Ära dienten solche Nummern dazu, Aufmerksamkeit zu erzeugen, Tickets zu verkaufen und die Leistungsfähigkeit von Pilot und Maschine zu demonstrieren. Dass mitten in einer hochriskanten Flugszene auch noch ein sauberer Golfschlag gelang, machte den Stunt zur perfekten Mischung aus Mutprobe und PR-Coup.
Fazit
Ob Wagemut, Show oder beides – Al Wilsons Golfschlag vom Doppeldecker bleibt unvergessen. Er zeigt eindrucksvoll, dass Golf mehr sein kann als ein Spiel auf dem Rasen: in diesem Fall ein Stück Luftfahrtgeschichte.
