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Was soll man als Amateur trainieren? (Die Antwort ist nicht Putten)

TL;DR / Zusammenfassung

Die meisten Amateure trainieren das Falsche. Nicht Putten entscheidet über Deinen Score, sondern das lange Spiel — vor allem die Annäherungen. Die Strokes-Gained-Forschung zeigt: Rund zwei Drittel des Unterschieds zwischen einem 90er- und einem 80er-Spieler kommen aus Schlägen jenseits der 100 Meter. Putten macht nur etwa 15 % aus.

Der Reflex: ab aufs Putting-Grün

Wer seinen Score verbessern will, geht intuitiv aufs Putting-Grün. Klingt logisch — Putten ist rund 40 % aller Schläge auf der Scorekarte, und „drive for show, putt for dough" steckt seit Jahrzehnten in jedem Golferkopf. Nur: Die Daten sagen etwas anderes.

Was die Daten sagen

Der Columbia-Professor Mark Broadie hat mit seiner Strokes-Gained-Methode tausende Runden ausgewertet und damit die alte Weisheit auf den Kopf gestellt. Sein Befund, übertragen auf den typischen Amateur: Der Unterschied zwischen einem Spieler, der 90 schlägt, und einem, der 80 schlägt, erklärt sich zu …

  • rund 40 % aus den Annäherungsschlägen (Approach),
  • etwa 28 % aus den Abschlägen (Drives),
  • rund 17 % aus dem kurzen Spiel innerhalb 100 Meter (Chips, Pitches),
  • und nur etwa 15 % aus dem Putten.

Macht zusammen: Zwei Drittel des Unterschieds stecken im langen Spiel — Abschlag und Annäherung. Das Putten, in das die meisten ihre Übungszeit stecken, ist der kleinste Hebel.

Heißt das, Putten ist egal?

Nein. Drei-Putts kosten real Schläge, und ein solides Lag-Putting nimmt Druck vom ganzen Spiel. Aber es heißt: Du holst aus der zehnten Übungsstunde Putten viel weniger heraus als aus der ersten Übungsstunde an Deinen Annäherungen. Wer begrenzte Zeit hat — und das haben die meisten Fernmitglieder —, sollte sie dorthin lenken, wo der Score wirklich entsteht.

Worauf Du Deine Übungszeit legst

Eine ehrliche Prioritätenliste für den zeitknappen Amateur:

  1. Ballkontakt und Annäherungen. Sauberes Treffen aus 80–150 Metern bringt mehr Schläge als alles andere. Distanzkontrolle schlägt Schönheit.
  2. Den Abschlag im Spiel halten. Nicht weiter, sondern verlässlicher: ein Drive, der auf dem Fairway oder zumindest spielbar landet, spart die Katastrophenlöcher.
  3. Große Fehler vermeiden. Wasser, Out, der dritte Schlag aus dem Bunker — ein einziges Blow-up-Loch frisst die Arbeit von drei guten Putts.
  4. Kurzes Spiel ums Grün. Chippen und Pitchen, damit ein verfehltes Grün kein verlorener Schlag wird.
  5. Putten — aber dosiert. Lag-Putting für die Längen, sichere kurze Putts. Stundenlanges Putten-Drillen ist Zeit, die woanders mehr bringt.

Wer das Thema vertiefen will: Der deutsche PGA-Pro Oliver Heuler bringt genau diesen Punkt in einem sehenswerten Video auf YouTube auf den Punkt.

Fazit

Trainiere dort, wo der Score entsteht — und das ist für die allermeisten Amateure nicht das Putting-Grün, sondern die Annäherung. Das ist weniger romantisch als der eine perfekte Putt zum Matchgewinn, aber es ist der Weg, der die Zahl unten auf der Karte am schnellsten kleiner macht.